Sustainable Thinking

Buchpublikation

Präambel zu »Sustainable Thinking«

Die Forderungen nach einer menschlich gestalteten Umwelt und einer neuen Ordnung für nachhaltige Industriegesellschaften ist heute ebenso aktuell wie zu den Zeiten der großen Studentenkundgebungen Ende der sechziger Jahre, dem Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit und der ersten Erdölkrise in den frühen siebziger Jahren. In vielen Bereichen der visuellen Gestaltung haben diese Postulate ihre Spuren hinterlassen, die Gestaltungsansätze und die daraus resultierenden Ergebnisse aber haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte stark verändert und zeigen eine völlig neue Auseinandersetzung mit der Vorsilbe »öko« oder dem heute viel modischeren Begriff »nachhaltig«1. Martina Fineder, Andreas Pawlik (erschienen bei Denkstatt, 2002)

Cover unter Verwendung von Aufklebern der Umweltbewegung der 80er-Jahre

Artikelseite

Doppelseite mit »stuff it«, Ernst Herold und D+ Büro für Design (Dietmar Kanitz, Martina Fineder, Andreas Pawlik, 2001).

Der Begriffswandel vom »Green Design«, einem typischen Schlagwort der achtziger Jahre, über »ökologisches oder umweltfreundliches Design« bis hin zum »Sustainable Design« ist ein Indiz für eine sich verändernde Haltung, welche sich in der Theorie viel rascher zu vollziehen scheint als in der praktischen Umsetzung und damit im kollektiven Bewusstsein: Jutesack, Birkenstockschlapfen, klobige Vollholzmöbel und das unkomfortable Bioplumpsklo gelten nach wie vor als Ikonen umweltfreundlicher Produktkultur. Die eindeutigen visuellen Codes, welche der alternativen Bewegung reaktionärerweise immer noch zugeschrieben werden, drängen sie in eine Randposition, die einem breitenwirksamen Phänomen einfach widerspricht. Fast sieht es so aus, als würde man sich über ein subkulturelles Phänomen unterhalten, dem die eigene visuelle Geschichte im Wege steht. Weder der »ökologische« Lebensstil noch die dazugehörige Objektwelt kann einfach von Generation zu Generation weitervererbt werden, will sie aus dieser Minderheitenecke heraus.

DIY-Sitzsack leer: »stuff it«, Ernst Herold und D+ Büro für Design (Dietmar Kanitz, Martina Fineder, Andreas Pawlik, 2001).

Im Gegensatz zu anderen Sitzsäcken ist »das Möbel für Selbstabfüller« beim Erwerb leer. Die nur wenige Gramm wiegende, semitransparente Haut wird erst vom Besitzer nach Belieben befüllt. (Fotos: E. Herold, Model: mf)

DIY-Sitzsack mit Spielzeugfüllung

DIY-Sitzsack mit Zeitungsfüllung

Immer häufiger zeigen Publikationen, Ausstellungen und Dokumentationen von Symposien eine Vielfalt von Produkten und Dienstleistungen, die sich der Re-Definition dieser visuellen Codes bereits angenommen haben. Auch die in diesem Buch vorgestellten Arbeiten belegen, dass »Jute statt Plastik« heute nicht mehr das vorherrschende Gestaltungs-Credo ist und es ihnen nicht a priori an Sinnlichkeit und Humor fehlen muss. Sie repräsentieren exemplarisch eine Bandbreite an Ideen, die sich zwischen Low Tech und Do-it-yourself-Produkten über Innovationen aus dem High-Tech-Bereich bis hin zu virtuellen Konzepten bewegt. Sie versuchen – jedes auf seine ganz eigene Art und Weise – auf die neuen Herausforderung einzugehen und die vordefinierten Rahmenbedingungen auszuweiten oder zu sprengen. Ausgehend von einer ihnen vorangegangenen jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt demonstrieren sie die Suche nach einer neuen Ästhetik und visuellen Sprache für eine »Nachhaltige Gestaltung«.

CD-Cover »33 1/3«, Dietmar Kanitz, Andreas Pawlik (1997)

Die Umstellung von Vinylschallplatten auf Compact-Discs führt zu einer enormen Ansammlung von Vinyl-Abfällen in Form von unverkäuflichen und weggeschmissenen Langspiel-Platten.

Das Projekt »33 1/3« bietet durch die vorerst manuelle Umpressung von alten Platten in CD-Hüllen eine alternative Verpackung an – altes und neues Medium treten so gemeinsam in Erscheinung.

Pro LP kann eine neue Hülle gepresst werden, die Stanzabfälle werden
geschreddert und der Neupressung zugeführt.

  1. Zum Wechsel in der Terminologie: Der ursprüngliche Begriff »Green Design« war ein Schlagwort der achtziger Jahre und wird heute kaum noch verwendet. Anstelle dessen werden die Begriffe »ökologisches oder umweltfreundliches Design« kurz »Öko-Design« gesetzt. In den letzten Jahren trat die Verwendung des Begriffs »Sustainable Design« (»Nachhaltiges Design«) auf. Diese Begriffe sind zwar austauschbar, aber Indikatoren für eine sich verändernde Haltung. Siehe Pauline Madge, Ecological Design: A New Critique. in: Design Issues. Vol. 13 / 2, Massachusetts Institute of Technology 1997. S. 44.


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